Correspondence with Edith Maryon
1912–1924
GA 263
Translated by Steiner Online Library
40
Edith Maryon to Rudolf Steiner
Sculptor's studio, Goetheanum
Dornach, June 10, 1920
Dear and honored teacher,
A letter has just arrived from Baron Rosenkrantz. Among other things, he writes that a good date for the artists' visit would be August 10 or 15, and whether it would not be better to say ten days for the stay here instead of four or five? Four or five would be a bit short after such a long journey. What do you think? Can the lectures, eurythmy, etc. be extended that long? He also asks whether it would be permissible to extend the invitation to non-practising artists, because he thinks there are many people who are not actually artists but who are very interested in a spiritual movement in art and would have a great deal of sympathy for the work in Dornach. I replied that I did not think there was anything to prevent the invitation being extended to such people, but that I would ask directly. He writes: Many will be very interested in eurythmy. In England there are now many movements for the advancement of dramatic art, a revival of all kinds of old customs (can one say that?) and the appearance of old mystery plays; mystical things are popular, more than occult things, because the latter make too great demands on intellectual effort. Do you think it would be possible (if there are enough people, of course) to present a small piece of the Mysteries? Or Faust, if the first seems impossible.
Then Mrs. Drury-Lavin writes enthusiastically about the Walleen idea and says that it will probably be possible for him to come; she has also written to you directly. She feels that not enough is being done in England in the interest of the building. They have a great shortage of people capable of giving lectures, and of the two they have, one, Mrs. P., can perhaps be seen, but the sister is not yet deeply involved in the matter.
People are not satisfied with my essay either, because they would rather write something themselves. She wants to write more about it in a few days.
Yesterday I visited Mr. Hamel, there is little change in his condition, and they are not very hopeful of a full recovery. Otherwise, his room and food are good, and the nurse is nice.
Dr. Boos says there is nothing much new. Yesterday's lecture was quite long, after which an outsider spoke. There was a lively discussion after Mr. Schremp's lecture. Otherwise, there is nothing new to report.
I strive to become wise in solitude here and reproach myself for many things.
I hope the lectures the day before yesterday and today were well attended and that things are going quietly? I am still anxious about the events in Germany.
With warm regards
Edith Maryon
40
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach, 10. Juni 1920
Sehr verehrter lieber Lehrer,
ein Brief ist gerade von Baron Rosenkrantz angekommen. Er schreibt unter anderem, daß ein gutes Datum für den Besuch der Künstler der 10. oder 15. August wäre, und ob es nicht besser wäre, zehn Tage für den Aufenthalt hier zu sagen, statt vier oder fünf? Vier oder fünf seien etwas kurz nach einer so langen Reise. Was meinen Sie? Kann man die Vorträge, Eurythmie usw. so lang ausdehnen? Weiter fragt er, ob es erlaubt sei, die Einladung auf nichtpraktizierende Künstler auszudehnen, weil er meint, es gibt viele Leute, die nicht eigentlich Künstler sind, aber die schon sehr interessiert sind an einer spirituellen Bewegung in der Kunst, und die viel Verständnis für die Arbeit in Dornach haben würden. Ich habe ihm geantwortet, daß ich nicht glaube, daß etwas im Wege stünde, die Einladung auf solche Menschen auszudehnen, aber daß ich direkt fragen würde. Er schreibt: Viele werden für die Eurythmie großes Interesse zeigen. In England gibt es jetzt viele Bewegungen für die Förderung der dramatischen Kunst, eine Wiederbelebung von allerlei alten Gebräuchen (kann man das sagen ?) und ein Auftauchen von alten Mysterien-Spielen; mystische Dinge sind beliebt, mehr als etwas Okkultes, weil dieses letztere zu viel Ansprüche macht an die intellektuelle Anstrengung. Denken Sie, es wäre möglich, (wenn genügend Leute vorhanden sind, selbstverständlich), ein kleines Stück von den Mysterien vorzuführen? Oder vom Faust, falls das erste unmöglich erscheint.
Dann schreibt Mrs. Drury-Lavin ganz begeistert von der Walleen-Idee und sagt, daß man es wohl zustandebringen werde, daß er kommen kann; sie hat auch direkt an Sie geschrieben. Sie hat das Gefühl, daß im Interesse des Baues nicht genug geschieht in England, man leidet dort unter großem Mangel an Menschen, die fähig sind, Vorträge zu halten, und unter den zweien, die sie haben, ist die eine, Mrs. P., vielleicht zu sehen, aber die Schwester steht vorläufig nicht tief genug in der Sache drinnen.
Mit meinem Aufsatz sind die Leute wieder nicht zufrieden, weil sie lieber selbst etwas schreiben möchten. Sie will weiter darüber schreiben in einigen Tagen.
Gestern habe ich Herrn Hamel besucht, es gibt wenig Änderung in seinem Befinden, man hat dort nicht große Hoffnung auf eine volle Genesung. Sonst sind sein Zimmer und Essen gut, die Krankenschwester nett.
Dr. Boos sagt, es gibt nicht wesentlich Neues. Der Vortrag gestern war recht lang, nachher hat ein Außenstehender gesprochen. Nach Herrn Schremps Vortrag hat eine rege Diskussion stattgefunden. Sonst ist nichts Neues zu melden.
Ich strebe nach Weise-werden in der Einsamkeit hier und mache mir manche Vorwürfe.
Ich hoffe, die Vorträge vorgestern und heute waren gut besucht; und daß die Dinge in Ruhe verlaufen? Ich bin noch ängstlich wegen der Er eignisse in Deutschland.
Mit herzlichen Grüßen
Edith Maryon